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Gedichte gemischt Lesen und relaxen

Gemischte Gedichte - Allgemeine Lyrik

Natürlich kann ein Gedichtportal nicht sämtliche Themen komplett abdecken. Aus diesem Grund ist in dieser Rubrik eine Sammlung lyrischer Werke zu finden, die nicht in die Themengebiete der aufgeführten Rubriken dieser Internetpräsenz passen. Seien Sie neugierig und stöbern sie einfach einmal auf dieser Seite. Sie werden sicherlich interessante und ansprechende lyrische Werke ihres Geschmacks finden.


Seiteninhalt: Gedichte aller Art und Lebensweisheiten (Sprüche)

Die Mondnacht (Joseph von Eichendorff)

Schenken (Joachim Ringelnatz)

Lebensweisheit (Richard von Wilpert)

Meeresstrand (Theodor Storm

Nachtgedanken (Rainer Maria Rilke)

Glückliche Fahrt (Johann Wolfgang von Goethe)

Meeresstille (Johann Wolfgang von Goethe)

Drei Bitten (Emanuel Geibel)

Der Zauberlehrling (Johann Wolfgang von Goethe)

Rose, du thronende... (Rainer Maria Rilke)

Die Möwe und mein Herz (Theodor Storm)

Die Tugend (Wilhelm Busch)

Das Requiem (Conrad Ferdinand Meyer)


Gedichte aller Art

Blumen zum Geburtstag

In dieser Rubrik finden Sie Gedichte aller Art. Es handelt sich um Gedichte, die in den anderen Rubriken nicht passen. Es wäre allerdings schade, diese Werke nicht dem Besucher zur Verfügung zu stellen. Immerhin handelt es sich um ausgewählte Gedichte von berühmten Autoren. Mein ganz persönlicher Favorit in dieser Rubrik ist das Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe "Der Zauberlehrling". Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Stöbern auf dieser Seite.

Die Mondnacht (Joseph von Eichendorff)

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff, 1788-1857)

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Schenken (Joachim Ringelnatz)

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
die Gaben wiegen,
sei dein Gewissen rein.
Schenke herzlich und frei.
Schenke dabei,
was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor,
sodass die eigene Freude zuvor
dich reichlich belohnt.
Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
dass dein Geschenk
du selber bist.

(Joachim Ringelnatz)

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Lebensweisheit (Richard von Wilpert)

Nur einmal bringt des Jahres lauf
uns Lenz und Lerchenlieder.
Nur einmal blüht die Rose auf
und dann verwelkt sie wieder.
Nur einmal gönnt uns das Geschick,
so jung zu sein auf Erden;
hast du versäumt den Augenblick,
jung wirst du nie mehr werden.

Drum lass von der gemachten Pein
um nie gefühlte Wunden!
Der Augenblick ist immer dein,
doch rasch entfliehn die Stunden.
Und wer als Greis im grauen haar
vom Schmerz noch nicht genesen,
der ist als jüngling auch fürwahr
nie jung und frisch gewesen.

Nur einmal blüht die Jugendzeit
und ist so bald entschwunden;
und wer nur lebt vergangnem Leid,
wird nimmermehr gesunden.
Verjüngt sich denn nicht auch Natur
stets neu im Frühlingsweben?
Sei jung und blühend einmal nur,
doch durch das ganze Leben!

(Richard von Wilpert, 1862 - 1918)

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Meeresstrand (Theodor Storm)

Ans Haff nun fliegt die Möwe
und Dämmerung bricht herein;
über die feuchten Watten
spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her;
wie Träume liegen die Inseln
im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlanmmes
geheimnisvollen Ton;
einsames Vogelrufen -
so war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
und schweiget dann der Wind;
vernehmlich werden die Stimme,
die über der Tiefe sind.

(Theodor Storm)

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Nachtgedanken (Rainer Maria Rilke)

Weltenweiter Wanderer,
Walle fort in Ruh ...
Also kennt kein anderer
Menschenleid wie -du.

Wenn mit lichten Leuchten
du beginnst den Lauf,
schlägt der Schmerz die feuchten
Augen zu dir auf.

Drinnen liegt - als riefen
sie dir zu: versteh! -
tief in ihren Tiefen
eine Welt von Weh ...

Tausend Tränen reden
ewig ungestillt,
und in einer jeden
spiegelt sich dein Bild.

(Rainer Maria Rilke)


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Glückliche Fahrt (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Nebel zerreißen,
Der Himmel ist helle,
Und Äolus löset
Das ängstliche Band.

Es säuseln die Winde,
Es rührt sich der Schiffer.
Geschwinde! Geschwinde!
Es teilt sich die Welle,
Es naht sich die Ferne;
Schon seh ich das Land!

(Johann Wolfgang von Goethe)

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Meeresstille (Johann Wolfgang von Goethe)

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche ringsumher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuern Weite
Reget keine Welle sich.

(Johann Wolfgang von Goethe)

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Drei Bitten (Emanuel Geibel)

Drei Bitten hab ich für des Himmels Ohr,
die send ich täglich früh und spät empor:
Zum ersten, daß der Liebe reiner Born
mir nicht versieg' in Ungeduld und Zorn;
zum zweiten, daß mir, was ich auch vernahm,
ein Echo weck, ein Lied in Lust und Gram;
zum dritten, wenn das letzte Lied verhallt
und wenn der Quell der Liebe leiser wallt,
daß dann der Tod mich schnell mit sanfter Hand
hinüberführ in jenes bessre Land,
wo ewig ungetrübt die Liebe quillt,
und wo das Lied als einz'ge Sprache gilt.

(Emanuel Geibel, 1815 - 1884)


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Der Zauberlehrling (Johann Wolfgang von Goethe)

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort' und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
Kann ich's lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!
O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!

Willst's am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wird's im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.

In die Ecke, Besen! Besen! Seid's gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.

(Johann Wolfgang von Goethe)


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Rose, du thronende... (Rainer Maria Rilke)

Rose, du thronende, denen im Altertume
warst du ein Kelch mit einfachem Rand.
Uns aber bist du die volle zahllose Blume,
der unerschöpfliche Gegenstand.

In deinem Reichtum scheinst du wie Kleidung um Kleidung
um einen Leib aus nichts als Glanz;
aber dein einzelnes Blatt ist zugleich die Vermeidung
und die Verleugnung jedes Gewands.

Seit Jahrhunderten ruft uns dein Duft
seine süßesten Namen herüber;
plötzlich liegt er wie Ruhm in der Luft.

Dennoch, wir wissen ihn nicht zu nennen, wir raten ...
Und Erinnerung geht zu ihm über,
die wir von rufbaren Stunden erbaten.

(Rainer Maria Rilke, 1875-1926)


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Die Möwe und mein Herz (Theodor Storm)

Hin gen Norden zieht die Möwe,
hin gen Norden zieht mein Herz;
fliegen beide aus mitsammen,
fliegen beide heimatwärts.

Ruhig, Herz! Du bist zur Stelle,
fliegst gar rasch die weite Bahn;
und die Möwe schwebt noch rudernd
überm weiten Ozean.

(Theodor Storm)


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Die Tugend (Wilhelm Busch)

Die Tugend will nicht immer passen,
im Ganzen lässt sie etwas kalt,
und dass man eine unterlassen,
vergisst man bald.

Doch schmerzlich denkt manch alter Knacker,
der von vergangnen Zeiten träumt,
an die Gelegenheit zum Laster,
die er versäumt.

(Wilhelm Busch)


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Das Requiem (Conrad Ferdinand Meyer)

Bei der Abendsonne Wandern
Wann ein Dorf den Strahl verlor,
Klagt sein Dunkeln es den andern
Mit vertrauten Tönen vor.

Noch ein Glöcklein hat geschwiegen
Auf der Höhe bis zuletzt.
Nun beginnt es sich zu wiegen,
Horch, mein Kirchberg läutet jetzt!

(Conrad Ferdinand Meyer)


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